Erziehung durch Arbeit im Menschenrechtszentrum Cottbus: DDR-Unrecht sichtbar machen

Event: Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ in Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. – Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus on 10. November 2026

Datum und Uhrzeit

10. November 2026 10:00 Uhr

Veranstaltungsort

Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. - Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
Bautzener Str. 140, 03050 Cottbus, Deutschland

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Wenn ein staatliches Etikett über ein Leben entschied

Die Wanderausstellung Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR macht im Menschenrechtszentrum Cottbus ein lange verdrängtes Kapitel der DDR-Geschichte sichtbar. Im historischen Umfeld der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus begegnen Besucherinnen und Besucher vierzehn individuellen Lebensgeschichten, die von gesellschaftlicher Ausgrenzung, staatlicher Disziplinierung und politisch motivierter Kriminalisierung erzählen.

Vierzehn Biografien gegen das Vergessen

Im Mittelpunkt stehen Menschen, die nach Paragraf 249 des DDR-Strafgesetzbuches als sogenannte ‚asozial‘ stigmatisiert wurden. Die Ausstellung zeigt unterschiedliche Lebenswege: Betroffen waren unter anderem Menschen ohne geregelte Arbeit, Personen mit unangepasstem Lebensstil, Prostituierte, Punks, Ausreiseantragstellerinnen und Ausreiseantragsteller sowie Menschen mit politisch unerwünschten Haltungen.

Fotografien, historische Dokumente, Filmaufnahmen sowie Zeitzeugen- und Experteninterviews geben den Betroffenen ihre Geschichte zurück. Die kuratorische Präsentation verbindet historische Recherche mit politischer Bildung und lenkt den Blick auf die langfristigen Folgen staatlicher Zuschreibungen.

Der Asozialenparagraf 249 als Instrument der Repression

Der sogenannte Asozialenparagraf war weit und unscharf formuliert. Die SED-Diktatur nutzte ihn, um vermeintliche Arbeitsscheu, einen abweichenden Lebensstil oder eine unerwünschte politische Haltung strafrechtlich zu verfolgen. Wer nicht dem Idealbild des sozialistischen Menschen entsprach, konnte zum Staatsfeind erklärt werden.

Die Ausstellung verfolgt die Wege in Heime, Jugendwerkhöfe und Gefängnisse und beleuchtet, wie Haft, Überwachung und gesellschaftliche Stigmatisierung in persönliche Biografien eingriffen. Historische Linien führen dabei von früheren Vorstellungen sozialer Normierung über die NS-Zeit bis zur DDR und zu vergleichbaren Entwicklungen in der ČSSR und der Sowjetunion.

Ausstellungsatmosphäre im ehemaligen Zuchthaus

Im Menschenrechtszentrum Cottbus erhält die Präsentation eine besondere Raumwirkung. Die historische Architektur der Gedenkstätte, die konzentrierte Gestaltung und die dokumentarischen Materialien schaffen eine eindringliche Ausstellungsatmosphäre. Zwischen Fotografien, Akten und Filmsequenzen wird Geschichte nicht abstrakt, sondern als konkrete menschliche Erfahrung erfahrbar.

Die Werkbetrachtung folgt dabei keinem ästhetischen Selbstzweck. Das Kunsterlebnis entsteht aus der Verbindung von Bild, Dokument und Raum: Eine ästhetische Erfahrung, die zur Reflexion über Sprache, Macht, Zugehörigkeit und Menschenwürde führt.

Kulturelle Bildung und historische Verantwortung

Die von exhibeo e. V. realisierte Wanderausstellung entstand in Kooperation mit der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e. V. und wird von Institutionen der Aufarbeitung und politischen Bildung unterstützt. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Kulturellen Bildung, indem sie individuelle Schicksale mit der Strukturgeschichte der DDR verbindet.

Besonders eindringlich ist die Frage, wie gesellschaftliche Etiketten entstehen und welche Folgen sie entfalten. Die Ausstellung eröffnet damit nicht nur einen Zugang zur DDR-Geschichte, sondern auch einen Raum für gegenwartsbezogene Diskussionen über Ausgrenzung, Normierung und politische Verantwortung.

Fazit: Ein notwendiges Kunsterlebnis der Erinnerung

Die Ausstellung erwartet Besucherinnen und Besucher mit einer sachlich fundierten, emotional eindringlichen und historisch bedeutsamen Präsentation. Vierzehn Biografien, Fotografien, Dokumente und filmische Zeugnisse machen sichtbar, wie staatliche Repression Menschen aus der Gesellschaft drängte. Der Besuch im Menschenrechtszentrum Cottbus verbindet historische Erkenntnis mit ästhetischer Erfahrung und kultureller Bereicherung. Diese Ausstellung verdient Aufmerksamkeit, Zeit und eine persönliche Werkbetrachtung vor Ort.

Offizielle Kanäle von Erziehung durch Arbeit:

Quellen:

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