Erziehung durch Arbeit in Cottbus: DDR-Unrecht und vergessene Lebenswege sichtbar machen

Event: Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. „Asoziale“ als Staatsfeinde in der DDR“ in Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. – Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus on 5. November 2026

Datum und Uhrzeit

5. November 2026

Veranstaltungsort

Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. - Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
Bautzener Str. 140, 03050 Cottbus, Deutschland

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Wenn ein staatliches Etikett über ein Leben entschied

Die Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. „Asoziale“ als Staatsfeinde in der DDR“ macht im Menschenrechtszentrum Cottbus ein lange verdrängtes Kapitel der DDR-Geschichte sichtbar. Im historischen Umfeld der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus begegnen Besucherinnen und Besucher individuellen Lebenswegen, Fotografien, Dokumenten und filmischen Zeitzeugen- und Experteninterviews.

Vierzehn Biografien gegen das Vergessen

Im Zentrum stehen vierzehn Biografien von Menschen, die nach dem sogenannten Asozialenparagrafen 249 des DDR-Strafgesetzbuches stigmatisiert, ausgegrenzt, diszipliniert oder kriminalisiert wurden. Betroffen waren unter anderem Menschen ohne geregelte Arbeit, Personen mit unangepasstem Lebensstil, Prostituierte, Punks, Ausreiseantragstellerinnen und Ausreiseantragsteller sowie Menschen mit politisch unerwünschten Haltungen.

Dokumente einer politisch gelenkten Ausgrenzung

Die Ausstellung untersucht, wie die vage Definition sogenannten asozialen Verhaltens zur staatlichen Repression eingesetzt wurde. Wer nicht dem Idealbild des sozialistischen Menschen entsprach, konnte zum Staatsfeind erklärt werden. Die Präsentation zeigt Wege in Heime, Jugendwerkhöfe und Haft und macht nachvollziehbar, dass die Folgen der Verurteilung weit über das Haftende hinausreichten.

Historische Linien und gesellschaftliche Verantwortung

Die Werkbetrachtung im weiteren Sinn führt über die DDR hinaus. Thematisiert werden Vorläufer des Paragrafen 249 im Kaiserreich, im Nationalsozialismus und in der frühen DDR sowie vergleichbare Vorstellungen in der ČSSR und der Sowjetunion. Auch die Darstellung sogenannter asozialer Menschen in Propaganda und Medien wird kritisch eingeordnet.

Eine Ausstellungsatmosphäre am Ort des Erinnerns

Fotos, Schriftstücke, historische Filmaufnahmen und persönliche Zeugnisse verbinden wissenschaftliche Recherche mit einer eindringlichen ästhetischen Erfahrung. Die konzentrierte Präsentation lenkt den Blick auf Sprache, Macht und die Frage, wie gesellschaftliche Normen zur Ausgrenzung einzelner Menschen beitragen können. Im Menschenrechtszentrum Cottbus wird DDR-Geschichte nicht nur als Lehrstoff erfahrbar, sondern als unmittelbare Auseinandersetzung mit Menschenwürde und Verantwortung.

Kulturelle Bildung und historische Werkbetrachtung

Die Ausstellung von exhibeo e.V. entstand in Kooperation mit der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. und wird von mehreren Institutionen der Aufarbeitung und politischen Bildung unterstützt. Sie verbindet historische Forschung, Kuratierung und kulturelle Bildung zu einem Kunsterlebnis der Erinnerungskultur.

Fazit: Ein wichtiger Besuch gegen das Vergessen

Die Ausstellung erwartet ihr Publikum mit individuellen Schicksalen, historischen Dokumenten und einer eindringlichen Auseinandersetzung mit staatlicher Stigmatisierung. Wer verstehen möchte, wie der Paragraf 249 Menschen ausgrenzte und Lebenswege zerstörte, erlebt in Cottbus eine wichtige ästhetische Erfahrung und politische Bildungsreise. Ein Besuch empfiehlt sich allen, die DDR-Geschichte, Menschenrechte und Erinnerungskultur bewusst live erfahren möchten.

Offizielle Kanäle von exhibeo e.V. und der Ausstellung:

Quellen:

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