Erziehung durch Arbeit in Cottbus: DDR-Unrecht und vergessene Lebenswege sichtbar gemacht

Event: Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ in Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. – Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus on 14. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

14. Oktober 2026

Veranstaltungsort

Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. - Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
Bautzener Str. 140, 03050 Cottbus, Deutschland

Tickets

8,00 €
Tickets buchen

Über diese Veranstaltung

Ausstellungen & Museen

Stimmung

Sonstige

Veranstaltungsorttyp

Drinnen

Wenn ein staatliches Etikett über ein Menschenleben entschied

Die Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ widmet sich einem lange verdrängten Kapitel der DDR-Geschichte. Im Menschenrechtszentrum Cottbus, einem authentischen Erinnerungsort in der ehemaligen Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, wird sichtbar, wie Menschen systematisch ausgegrenzt, diszipliniert und kriminalisiert wurden, wenn sie nicht dem staatlich propagierten Idealbild des sozialistischen Menschen entsprachen.

Vierzehn Lebenswege gegen das Vergessen

Im Mittelpunkt stehen vierzehn Porträts von Frauen und Männern, deren Biografien durch den sogenannten Asozialenparagrafen 249 des DDR-Strafgesetzbuches geprägt wurden. Vermeintliche Arbeitsscheu, ein unangepasster Lebensstil, Prostitution, politische Abweichung oder ein Ausreiseantrag konnten zur staatlichen Stigmatisierung führen. Die Ausstellung macht aus einer abstrakten Gesetzesgeschichte konkrete Lebenswege und verleiht den Betroffenen ihre historische Sichtbarkeit zurück.

Fotografien, Dokumente und filmische Zeitzeugnisse

Die Kuratierung verbindet historische Fotografien und Dokumente mit filmischen Zeitzeugen- und Experteninterviews sowie ergänzendem Filmmaterial. Schriftstücke werden zu Spuren persönlicher Schicksale, Bilder zu Zeugnissen institutioneller Macht und die Stimmen der Betroffenen zu einem wichtigen Gegenarchiv der DDR-Geschichte. Die Ausstellungsatmosphäre entsteht aus der Spannung zwischen sachlicher Dokumentation und emotionaler Nähe.

Der Paragraf 249 als Instrument staatlicher Repression

Die Präsentation ordnet den sogenannten Asozialenparagrafen in größere historische Zusammenhänge ein. Thematisiert werden Vorläufer im Kaiserreich, im Nationalsozialismus und in der frühen DDR sowie ideologische Bezugspunkte in der Tschechoslowakei und der Sowjetunion. Damit eröffnet die Ausstellung eine kunsthistorisch und erinnerungskulturell fundierte Werkbetrachtung historischer Zeugnisse: Nicht ein einzelnes Gesetz steht im Zentrum, sondern das Zusammenspiel von Verwaltung, Medien, Justiz und gesellschaftlicher Normierung.

Politische Bildung am historischen Ort

Die Verbindung von Ausstellung und Gedenkstätte vertieft die kulturelle Bildung. Besucherinnen und Besucher erleben DDR-Geschichte nicht nur als Lehrstoff, sondern als unmittelbare Auseinandersetzung mit Menschenwürde, sozialer Kontrolle und den Folgen institutioneller Ausgrenzung. Die ästhetische Erfahrung dieser Präsentation entsteht durch die konzentrierte Begegnung mit Fotografien, Dokumenten, Filmbildern und persönlichen Lebensgeschichten.

Fazit: Ein eindringliches Kunsterlebnis der Erinnerung

„Erziehung durch Arbeit“ erwartet das Publikum als sachlich präzise und emotional eindringliche Ausstellung über DDR-Unrecht, Stigmatisierung und vergessene Lebenswege. Die Präsentation im Menschenrechtszentrum Cottbus verbindet historische Forschung mit persönlicher Werkbetrachtung und gesellschaftlicher Verantwortung. Wer sich für Zeitgeschichte, Gedenkkultur und politische Bildung interessiert, sollte diese Ausstellung unbedingt live besuchen und die Wirkung des historischen Ortes auf sich wirken lassen.

Offizielle Kanäle von Menschenrechtszentrum Cottbus e.V.:

Quellen:

Loading map...

Häufig gestellte Fragen