Erziehung durch Arbeit im Menschenrechtszentrum Cottbus: DDR-Unrecht verstehen

Event: Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ in Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. – Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus on 9. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

9. Oktober 2026

Veranstaltungsort

Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. - Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
Bautzener Str. 140, 03050 Cottbus, Deutschland

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Wenn ein Etikett über ein Leben entschied: DDR-Unrecht in Cottbus sichtbar gemacht

Die Wanderausstellung Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR widmet sich einem lange verdrängten Kapitel der DDR-Geschichte. Im Menschenrechtszentrum Cottbus begegnen Besucherinnen und Besucher individuellen Lebenswegen, historischen Dokumenten, Fotografien sowie filmischen Zeitzeugen- und Experteninterviews über Ausgrenzung, Disziplinierung und Kriminalisierung.

Vierzehn Biografien gegen das Vergessen

Im Mittelpunkt stehen vierzehn Porträts von Frauen und Männern, die nach dem sogenannten Asozialenparagrafen 249 des DDR-Strafgesetzbuches verfolgt werden konnten. Vermeintliche Arbeitsscheu, ein unangepasster Lebensstil, Prostitution, politische Abweichung oder der Verlust der Arbeit reichten aus, um Menschen staatlich zu stigmatisieren. Die Ausstellung zeigt, wie aus einem abwertenden Begriff ein Instrument sozialer Kontrolle und strafrechtlicher Verfolgung wurde.

Dokumente, Fotografien und bewegte Zeitgeschichte

Die Kuratierung verbindet historische Fotografien und Schriftstücke mit Filmaufnahmen sowie Interviews mit Zeitzeuginnen, Zeitzeugen und Fachleuten. Dadurch rückt die Präsentation nicht abstrakte Statistik, sondern konkrete Lebenswege in den Mittelpunkt. Dokumente werden zu Spuren persönlicher Schicksale, Bilder zu Zeugnissen institutioneller Macht und die Stimmen der Betroffenen zu einem wichtigen Gegenarchiv der DDR-Geschichte.

Der Paragraf 249 als Werkzeug staatlicher Repression

Die Ausstellung ordnet den sogenannten Asozialenparagrafen in größere historische Zusammenhänge ein. Thematisiert werden Vorläufer im Kaiserreich, im Nationalsozialismus und in der frühen DDR ebenso wie ideologische Bezugspunkte in der Tschechoslowakei und der Sowjetunion. Die historische Werkbetrachtung macht sichtbar, wie Verwaltung, Justiz, Medien und gesellschaftliche Normierung ineinandergreifen konnten.

Ein Erinnerungsort mit besonderer Ausstellungsatmosphäre

Die Präsentation im ehemaligen Zuchthaus Cottbus verleiht dem Thema eine besondere räumliche und emotionale Intensität. Das historische Umfeld vertieft die ästhetische Erfahrung der Ausstellung: Räume, Materialien, Fotografien und Texte führen nicht zu dekorativer Kunstbetrachtung, sondern zu einer unmittelbaren Auseinandersetzung mit Haft, Zwang, Menschenwürde und politischer Verfolgung. Dieses Kunsterlebnis im erweiterten Sinn verbindet kulturelle Bildung mit verantwortungsvoller Erinnerungskultur.

Fazit: Geschichte verstehen, Menschenwürde bewahren

Die Ausstellung erwartet ihre Besucherinnen und Besucher mit einer sachlich präzisen, emotional eindringlichen Präsentation über DDR-Unrecht und vergessene Lebensgeschichten. Wer sich für Zeitgeschichte, politische Bildung, Menschenrechte und die Mechanismen staatlicher Ausgrenzung interessiert, sollte dieses wichtige Ausstellungsprojekt live im Menschenrechtszentrum Cottbus erleben.

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Quellen:

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