Erziehung durch Arbeit im Menschenrechtszentrum Cottbus: DDR-Unrecht sichtbar machen

Event: Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ in Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. – Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus, Deutschland on 8. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

8. Oktober 2026

Veranstaltungsort

Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. - Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
Bautzener Str. 140, 03050 Cottbus, Deutschland

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Wenn ein Etikett über ein Leben entschied: DDR-Unrecht im Menschenrechtszentrum Cottbus

Die Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ macht ein lange verdrängtes Kapitel der DDR-Geschichte sichtbar. Im Menschenrechtszentrum Cottbus begegnen Besucherinnen und Besucher vierzehn Lebenswegen von Menschen, die durch den sogenannten Asozialenparagrafen 249 des DDR-Strafgesetzbuches ausgegrenzt, diszipliniert und kriminalisiert wurden.

Vierzehn Lebenswege zwischen Stigmatisierung und Haft

Im Mittelpunkt stehen Porträts von Frauen und Männern, deren Biografien von staatlichen Zuschreibungen geprägt wurden. Vermeintliche Arbeitsscheu, Prostitution, ein unangepasster Lebensstil, politische Abweichung oder der Verlust der Arbeit konnten in der DDR zur Verfolgung führen. Die Ausstellung zeigt, wie aus dem abwertenden Begriff asozial ein Instrument sozialer Kontrolle und strafrechtlicher Repression wurde.

Fotografien, Dokumente und Zeitzeugenstimmen

Die Kuratierung verbindet historische Fotografien und Dokumente mit filmischen Zeitzeugen- und Experteninterviews. Schriftstücke werden zu Spuren persönlicher Schicksale, Bilder zu Zeugnissen staatlicher Macht und die Stimmen der Betroffenen zu einem wichtigen Gegenarchiv der DDR-Geschichte. Die konzentrierte Ausstellungsatmosphäre schafft eine eindringliche Werkbetrachtung und eine ästhetische Erfahrung, in der politische Bildung unmittelbar mit menschlichen Geschichten verbunden bleibt.

Der Paragraf 249 als Instrument politischer Repression

Die Ausstellung ordnet den sogenannten Asozialenparagrafen in größere historische Zusammenhänge ein. Thematisiert werden seine Vorläufer im Kaiserreich, im Nationalsozialismus und in der frühen DDR sowie ideologische Vorbilder in der Tschechoslowakei und der Sowjetunion. Zwischen 1960 und 1989 wurden mehr als 130.000 Menschen wegen sogenannten asozialen Verhaltens zu Freiheitsstrafen verurteilt. Die Präsentation macht sichtbar, wie eng Arbeitszwang, Jugendhilfe, Heimerziehung, Haft und gesellschaftliche Stigmatisierung miteinander verbunden waren.

Erinnerungskultur an einem historischen Ort

Im Menschenrechtszentrum Cottbus erhält die Ausstellung eine besondere räumliche und historische Dimension. Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus steht selbst für politische Verfolgung und Haft in der DDR. Dadurch verbindet sich die historische Dokumentation mit dem konkreten Erinnerungsort. Das Kunsterlebnis dieser Ausstellung entsteht nicht durch dekorative Inszenierung, sondern durch die präzise Begegnung mit Dokumenten, Biografien und den Folgen staatlicher Ausgrenzung.

Fazit: Ein wichtiger Besuch für Gegenwart und Erinnerung

„Erziehung durch Arbeit“ eröffnet einen sachlich fundierten und zugleich bewegenden Zugang zu DDR-Unrecht, Menschenwürde und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Ausstellung lädt zur differenzierten Auseinandersetzung mit Begriffen, Machtstrukturen und zerstörten Lebenswegen ein. Wer Geschichte nicht nur betrachten, sondern in ihrer menschlichen Tragweite verstehen möchte, sollte diese Ausstellung im Menschenrechtszentrum Cottbus unbedingt live besuchen.

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Quellen:

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