Erziehung durch Arbeit im Menschenrechtszentrum Cottbus: DDR-Unrecht sichtbar machen


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Wenn ein Etikett über ein Leben entschied: DDR-Unrecht im Menschenrechtszentrum Cottbus
Die Wanderausstellung Erziehung durch Arbeit. „Asoziale“ als Staatsfeinde in der DDR macht ein lange verdrängtes Kapitel der DDR-Geschichte sichtbar. Im Menschenrechtszentrum Cottbus begegnen Besucherinnen und Besucher den Lebenswegen von Menschen, die durch staatliche Zuschreibungen ausgegrenzt, diszipliniert und kriminalisiert wurden.
Vierzehn Lebenswege gegen das Vergessen
Im Zentrum der Ausstellung stehen vierzehn porträtierte Frauen und Männer, deren Biografien von der DDR-Justiz unter dem sogenannten Asozialenparagrafen verfolgt wurden. Betroffen waren unter anderem Menschen aus der Punkbewegung, Prostituierte, Ausreiseantragstellerinnen und Ausreiseantragsteller sowie Oppositionelle. Die Ausstellung zeigt, wie ein ideologisch geprägtes Menschenbild individuelle Lebensentwürfe zur vermeintlichen Bedrohung erklärte.
Der Asozialenparagraf als Instrument staatlicher Repression
Die Präsentation ordnet die Verfolgung historisch und politisch ein. Im Mittelpunkt steht Paragraf 249 des DDR-Strafgesetzbuches, dessen weit gefasste Definition sogenannten asozialen Verhaltens eine vielfältige Anwendung in Strafverfolgung und sozialer Kontrolle ermöglichte. Zwischen 1969 und 1989 erfolgten nach Angaben des Bundesarchivs rund 146.000 Verurteilungen nach diesem Paragrafen, davon 125.600 mit Freiheitsentzug.
Dokumente, Fotografien und filmische Zeugnisse
Dokumente, Fotografien sowie filmische Zeitzeugen- und Experteninterviews verbinden individuelle Erfahrung mit gesellschaftlicher Analyse. Die Ausstellung arbeitet nicht mit abstrakten Zahlen allein, sondern führt in konkrete Biografien hinein. Gerade diese Verbindung aus historischer Recherche, visueller Vermittlung und persönlicher Erinnerung schafft eine eindringliche Ausstellungsatmosphäre.
Ein authentischer Ort der Erinnerung
Das Menschenrechtszentrum Cottbus befindet sich in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus. Der historische Ort verstärkt die Werkbetrachtung und macht die Mechanismen von Haft, Disziplinierung und Ausgrenzung unmittelbar erfahrbar. Die Kuratierung verbindet politische Bildung mit ästhetischer Erfahrung und eröffnet Perspektiven auf Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und die Folgen staatlicher Stigmatisierung.
Kulturelle Bildung und historische Verantwortung
Die Ausstellung richtet sich an alle, die sich mit DDR-Geschichte, SED-Diktatur, politischer Verfolgung und Erinnerungskultur auseinandersetzen möchten. Sie regt zur kritischen Reflexion darüber an, wie gesellschaftliche Normen entstehen, wie Sprache Menschen ausgrenzt und welche Folgen institutionelle Macht für individuelle Biografien besitzt.
Dieses Kunsterlebnis ist keine leichte historische Rückschau, sondern eine konzentrierte Begegnung mit zerstörten Lebenswegen und der Frage nach gesellschaftlicher Verantwortung. Besucherinnen und Besucher erwartet eine sachlich präzise, emotional eindringliche Ausstellung an einem bedeutenden Erinnerungsort. Wer DDR-Unrecht verstehen und die ästhetische Erfahrung historischer Aufklärung vertiefen möchte, sollte diese Präsentation unbedingt vor Ort besuchen.
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