Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung – Deportationen und Zwangsarbeit sichtbar machen

Event: Sonderausstellung „Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung. Deportationen und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ in Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. – Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus on 19. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

19. Oktober 2026

Veranstaltungsort

Cottbus
03 Cottbus, Deutschland

Über diese Veranstaltung

Ausstellungen & Museen

Stimmung

Sonstige

Veranstaltungsorttyp

Drinnen

Ein Bahnhof wird zum Ort der Erinnerung

Die Sonderausstellung Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung. Deportationen und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus macht sichtbar, wie eng der Cottbuser Bahnhof mit den Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden war. Der einstige Verkehrsknotenpunkt erscheint dabei nicht als neutrale Kulisse, sondern als historischer Ort, an dem sich Ausgrenzung, Deportation, politische Haft und Zwangsarbeit miteinander verschränkten.

Gleise, die von Verfolgung erzählen

Von Cottbus aus wurden 1938 jüdische Menschen mit polnischer Staatsbürgerschaft aus der Stadt und der Region nach Polen ausgewiesen. Während des Zweiten Weltkriegs transportierte die Deutsche Reichsbahn Jüdinnen und Juden in Ghettos im besetzten Polen und nach Theresienstadt. Auch Deportationszüge aus west- und süddeutschen Städten sowie aus den besetzten Ländern Westeuropas führten über die Cottbuser Gleise.

Die Ausstellung lenkt den Blick zugleich auf Gefangenentransporte zum und vom Frauenzuchthaus Cottbus. Dadurch entsteht ein vielschichtiges historisches Panorama, das die Infrastruktur der Reichsbahn als Bestandteil staatlicher Verfolgung und Vernichtungspolitik analysiert.

Zwangsarbeit als Teil der Cottbuser Stadtgeschichte

Ein weiterer Schwerpunkt gilt den Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs zur Arbeit nach Cottbus verschleppt wurden. In Industriebetrieben, bei der Reichsbahn, in kommunalen Einrichtungen, auf Bauernhöfen und in weiteren Unternehmen mussten Menschen aus zahlreichen europäischen Ländern unter Zwang arbeiten. Die Reichsbahn nahm dabei eine doppelte Rolle ein: Sie transportierte Menschen und nutzte zugleich ihre Arbeitskraft.

Historische Dokumente, Namen, Ortsbezüge und digitale Vermittlungsangebote führen in die Lebensbedingungen der Zwangsarbeitenden ein. Im Dezember 1944 verzeichnete das Stadtarchiv Cottbus 44 Lager mit insgesamt 5.097 Menschen aus mindestens 14 Nationen. Die Ausstellung verbindet damit lokale Forschung mit einer europäischen Geschichte von Entrechtung, Gewalt und Ausbeutung.

Vier Themenfelder, eine eindringliche Ausstellung

Die kuratierte Präsentation verbindet vier miteinander verflochtene Themenfelder: die Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung, die Deportationszüge über Cottbus, das Frauenzuchthaus als Ort politischer Haft sowie den Alltag der Zwangsarbeit in Betrieben und Institutionen der Stadt. Mediengestützte Elemente und historische Quellen unterstützen die Werkbetrachtung im erweiterten Sinn und eröffnen Zugänge für unterschiedliche Generationen.

Die Ausstellungsatmosphäre ist von der Spannung zwischen vertrauter Stadtgeschichte und erschütternder Erkenntnis geprägt. Karten, Fotografien, biografische Spuren und Quellenmaterial machen abstrakte historische Abläufe konkret. Die ästhetische Erfahrung dieser Ausstellung entsteht nicht durch dekorative Inszenierung, sondern durch die konzentrierte Begegnung mit Namen, Wegen und Schicksalen.

Erinnerungskultur und kulturelle Bildung

Das Projekt entstand im Rahmen von MemoRails – Halt! Hier wird an NS-Geschichte erinnert, einem Programm der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Beteiligt sind das Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. und die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus in Kooperation mit exhibeo e. V., der AG Stolpersteine Cottbus und den Städtischen Sammlungen Cottbus.

Die Ausstellung versteht historische Bildung als Beitrag zu Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Sie lädt dazu ein, lokale Geschichte kritisch zu befragen und die Verantwortung der Gegenwart mitzudenken. Für Kunst- und Kulturinteressierte eröffnet sich ein eindringliches Kunsterlebnis der anderen Art: eine mediale, dokumentarische Installation, in der Raum, Bild, Text und Erinnerung zu einer verantwortungsvollen Form des Gedenkens verbunden werden.

Fazit: Geschichte vor Ort erleben

Die Sonderausstellung erwartet Besucherinnen und Besucher mit einer präzise recherchierten, emotional berührenden und historisch fundierten Auseinandersetzung mit Deportationen und Zwangsarbeit in Cottbus. Wer die Ausstellung besucht, begegnet nicht nur vergangenen Ereignissen, sondern den Spuren von Menschen, deren Namen und Lebenswege vor dem Vergessen bewahrt werden. Dieses Kunsterlebnis der Erinnerung verdient eine aufmerksame Werkbetrachtung vor Ort und bereichert die kulturelle Bildung nachhaltig.

Offizielle Kanäle von Menschenrechtszentrum Cottbus e. V.:

Quellen:

Loading map...

Häufig gestellte Fragen