Im Verborgenen im Staatstheater Cottbus: Tanz zwischen Licht und Schatten


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Im Verborgenen: Tanz zwischen goldenen Wunden und unsichtbaren Geschichten
Wenn sich am 12. November 2026 im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus das Licht hebt, beginnt ein zweiteiliger Ballettabend über das Sichtbare und das Verborgene. Im Verborgenen verbindet Choreografien von Inma López und Douglas Lee zu einem Bühnenerlebnis, das Körper, Raum und Licht in eine vielschichtige Dramaturgie überführt.
Goldene Wunden: Die Schönheit der Brüche
Inma López richtet den Blick auf Individualität, Verletzlichkeit und die Spuren, die das Leben im Körper hinterlässt. Inspiriert von der japanischen Kintsugi-Praxis erzählt ihre Choreografie von zerbrochenen Formen, die nicht versteckt, sondern sichtbar zusammengefügt werden. Brüche erscheinen dabei nicht als Makel, sondern als goldene Linien einer unverwechselbaren Biografie.
Die Inszenierung gewinnt ihre Kraft aus der Verbindung von Tanz, Bühnenbild, Kostüm, Lichtdesign und Video. Jede Bewegung trägt eine Geschichte, jede Formation verändert die Wahrnehmung des Raumes. Die Schauspielkunst weicht der präzisen Sprache des Tanzes, doch die emotionale Unmittelbarkeit bleibt: Der Körper wird zum Archiv von Verlust, Widerstandskraft und Neuanfang.
Fade-Outs: Was hinter dem Scheinwerfer geschieht
Im zweiten Teil untersucht der international tätige Choreograf Douglas Lee die verborgenen Ebenen des Theaters. Was bleibt außerhalb des Blickfelds? Welche Vorgänge entfalten sich im Dunkel, während die Bühne im Scheinwerferlicht steht? Fade-Outs öffnet den Bühnenraum für jene unsichtbaren Kräfte, die jede Aufführung mitprägen.
Musik von Nicolas Sávva, ein wandelbares Bühnenbild von Pascale Arndtz und das Lichtdesign von Ulf Kupke und Douglas Lee schaffen eine Atmosphäre zwischen Präzision und Geheimnis. Die Tänzerinnen und Tänzer des Ballettensembles bewegen sich durch wechselnde Lichtstimmungen, Verdichtungen und Auflösungen. So entsteht eine Choreografie, die nicht nur Bewegungen zeigt, sondern die Mechanik des Theaters selbst befragt.
Ein Ballettabend mit dramaturgischer Tiefe
Die Dramaturgie von Corinna Jarosch verbindet beide Arbeiten über ein gemeinsames Motiv: Das Ganze entsteht aus seinen Teilen. Inma López entdeckt im Riss die individuelle Geschichte, Douglas Lee im Verborgenen die Voraussetzung für das Sichtbare. Zusammen entfalten die Choreografien ein Panorama zeitgenössischer Bühnenkunst, das formale Strenge und sinnliche Erfahrung miteinander verbindet.
Das Publikum erwartet eine Aufführung von etwa 105 Minuten inklusive einer Pause. Die Akustik des Großen Hauses, die wechselnden Lichtbilder und die körperliche Präsenz des Ensembles verdichten sich zu einer Theateratmosphäre, die noch über den Schlussapplaus hinaus nachwirkt.
Fazit: Tanz, der unter die Oberfläche führt
Im Verborgenen lädt dazu ein, genauer hinzusehen: auf die goldenen Spuren der Verletzlichkeit, auf die unsichtbare Arbeit hinter dem Bühnenzauber und auf die Kraft, die aus Brüchen erwächst. Wer zeitgenössischen Tanz, starke Bildsprache und eine anspruchsvolle Inszenierung sucht, erlebt im Großen Haus einen Abend voller Bewegung, Spannung und poetischer Nachbilder.
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