Erziehung durch Arbeit in Cottbus: Verfolgte Lebenswege der DDR sichtbar gemacht

Event: Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ in Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. – Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus on 27. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

27. Oktober 2026 10:00 Uhr

Veranstaltungsort

Cottbus
03 Cottbus, Deutschland

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Wenn ein staatliches Etikett über ein ganzes Leben entscheidet

Die Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ im Menschenrechtszentrum Cottbus widmet sich einem lange verdrängten Kapitel der DDR-Geschichte. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die nach Paragraf 249 des DDR-Strafgesetzbuches als sogenannte „Asoziale“ verfolgt, diszipliniert und kriminalisiert wurden.

Vierzehn Biografien gegen das Vergessen

Die Ausstellung erzählt anhand von vierzehn ausgewählten Lebensgeschichten, wie staatliche Zuschreibungen in konkrete Repression umschlugen. Betroffen waren unter anderem Menschen ohne geregelte Arbeit, unangepasste Jugendliche, Punks, Prostituierte, Ausreiseantragstellerinnen und Ausreiseantragsteller sowie politische Oppositionelle. Fotos, historische Dokumente, filmische Zeitzeugen- und Experteninterviews machen sichtbar, wie Behörden und Justiz den Begriff „asozial“ als Instrument sozialer Kontrolle einsetzten.

Paragraf 249 und die Logik der Ausgrenzung

Die Ausstellung ordnet die Verfolgung kunsthistorisch und erinnerungskulturell in größere Zusammenhänge ein. Sie beleuchtet Vorläufer des Paragrafen 249 im Kaiserreich, im Nationalsozialismus und in der frühen DDR sowie ideologische Bezugspunkte in der ČSSR und der Sowjetunion. Thematisiert werden außerdem die Darstellung „asozialer Elemente“ in Propaganda und Medien, die Wege in die Haft, Haftbedingungen und die Folgen nach der Entlassung.

Dokumente, Stimmen und eine eindringliche Ausstellungsatmosphäre

Die Werkbetrachtung richtet sich hier nicht auf Malerei oder Skulptur, sondern auf die dokumentarische Kraft von Fotografien, Schriftstücken und Film. In der Ausstellungsatmosphäre verbinden sich historische Quellen mit persönlichen Erfahrungen. Diese mediale Installation fordert eine konzentrierte ästhetische Erfahrung: Gesichter, Akten und Erinnerungen treten aus der anonymen Statistik hervor und geben den Betroffenen ihre Individualität zurück.

Kulturelle Bildung und historische Verantwortung

Die von exhibeo e. V. realisierte Ausstellung entstand in Kooperation mit der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft. Ihre Kuratierung verbindet historische Forschung, politische Bildung und persönliche Zeugenschaft. Zwischen 1969 und 1989 wurden rund 146.000 Menschen nach Paragraf 249 verurteilt; etwa 125.600 Urteile führten zu Freiheitsentzug. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Mechanismen von Stigmatisierung, Konformitätsdruck und staatlicher Willkür kritisch zu hinterfragen.

Fazit: Ein notwendiges Kunsterlebnis der Erinnerung

Besucherinnen und Besucher erwartet eine sachlich fundierte, multimediale Ausstellung mit großer menschlicher Eindringlichkeit. Die historische Werkbetrachtung macht sichtbar, wie schnell ein gesellschaftliches Vorurteil zur staatlichen Verfolgung werden kann. Wer sich für DDR-Geschichte, Erinnerungskultur, Menschenrechte und politische Bildung interessiert, sollte dieses wichtige Kunsterlebnis im Menschenrechtszentrum Cottbus unbedingt live erleben.

Offizielle Kanäle von Menschenrechtszentrum Cottbus:

Quellen:

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