Erziehung durch Arbeit im Menschenrechtszentrum Cottbus: DDR-Schicksale sichtbar gemacht


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Wenn ein Etikett über ein Leben entschied
Die Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ macht im Menschenrechtszentrum Cottbus ein lange verdrängtes Kapitel der DDR-Geschichte sichtbar. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die nach Paragraf 249 des DDR-Strafgesetzbuches als „asozial“ stigmatisiert, diszipliniert und kriminalisiert wurden.
Vierzehn Biografien gegen das Vergessen
Vierzehn ausgewählte Lebensgeschichten zeigen, wie weit die staatliche Definition von „asozialem Verhalten“ reichte. Vermeintliche Arbeitsscheu, ein unangepasster Lebensstil, Punksein, Prostitution, ein Ausreiseantrag oder eine politische Haltung konnten zur Verfolgung führen. Fotografien, Dokumente, Filmaufnahmen sowie Zeitzeugen- und Experteninterviews geben den Betroffenen ihre individuelle Geschichte zurück.
Paragraf 249 und die Logik der Ausgrenzung
Die Ausstellung ordnet den sogenannten Asozialenparagrafen in die politische und ideologische Ordnung der DDR ein. Sie zeigt Wege in Heime, Jugendwerkhöfe und Haft, beleuchtet Haftbedingungen und verfolgt die Folgen der Stigmatisierung bis in das Leben nach der Entlassung. Zugleich führt die historische Analyse zu Vorläufern im Kaiserreich, im Nationalsozialismus und in der frühen DDR sowie zu vergleichbaren Vorstellungen in der ČSSR und der Sowjetunion.
Ausstellungsatmosphäre und historische Werkbetrachtung
Die Präsentation verbindet dokumentarische Bildquellen mit biografischer Erzählung und filmischen Stimmen. In der konzentrierten Ausstellungsatmosphäre entsteht ein eindringliches Kunsterlebnis der politischen Erinnerungskultur: Materialien, Gesichter und archivierte Zeugnisse verlangen eine genaue Werkbetrachtung und eröffnen eine ästhetische Erfahrung, die nicht auf dekorative Wirkung, sondern auf Erkenntnis und Empathie zielt.
Kulturelle Bildung und gesellschaftliche Verantwortung
Die von exhibeo e. V. entwickelte Ausstellung versteht sich als Beitrag zur historischen und politischen Bildung. Ihre Kuratierung macht sichtbar, wie Sprache, Behörden, Medien und Justiz an der Konstruktion gesellschaftlicher Feindbilder beteiligt waren. Damit verbindet die Schau kunst- und kulturhistorische Vermittlung mit der Frage, wie Ausgrenzung funktioniert und welche Verantwortung eine demokratische Gesellschaft heute trägt.
Im Menschenrechtszentrum Cottbus erwartet Besucherinnen und Besucher eine sachlich fundierte, emotional eindringliche Ausstellung über DDR-Unrecht, politische Repression und die langfristigen Folgen staatlicher Stigmatisierung. Wer Geschichte nicht nur aus Zahlen, sondern aus konkreten Lebenswegen verstehen möchte, erlebt hier eine wichtige ästhetische und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Ein Besuch bereichert die kulturelle Bildung und schärft den Blick für die Würde jedes Einzelnen.
Offizielle Kanäle von Menschenrechtszentrum Cottbus:
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- Website: https://www.menschenrechtszentrum-cottbus.de/ausstellungen/sonderausstellungen/










