„Erziehung durch Arbeit“ im Menschenrechtszentrum Cottbus: Verdrängte DDR-Schicksale erleben

Event: Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ in Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus on 25. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

25. Oktober 2026 10:00 Uhr

Veranstaltungsort

Cottbus
03 Cottbus, Deutschland

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Verdrängte Schicksale sichtbar gemacht: „Erziehung durch Arbeit“ in Cottbus

Die Wanderausstellung „Erziehung durch Arbeit. ‚Asoziale‘ als Staatsfeinde in der DDR“ führt in ein lange wenig beachtetes Kapitel der DDR-Geschichte. Im Menschenrechtszentrum Cottbus begegnen Besucherinnen und Besucher den Lebenswegen von Menschen, die wegen vermeintlicher Arbeitsscheu, eines unangepassten Lebensstils, ihrer politischen Haltung oder eines Ausreiseantrags staatlich verfolgt und kriminalisiert wurden.

Wenn Abweichung zum Staatsverbrechen wurde

Im Zentrum der Ausstellung steht der sogenannte Asozialenparagraf 249 des DDR-Strafgesetzbuches. Seine weit gefasste Definition machte es möglich, unterschiedlichste Formen gesellschaftlicher Abweichung strafrechtlich zu verfolgen. Punker, Prostituierte, Ausreiseantragstellerinnen und Ausreiseantragsteller sowie Oppositionelle gerieten in das Visier von Behörden, Justiz und staatlicher Jugendhilfe.

Die Ausstellung zeichnet nach, wie das Idealbild des sozialistischen Menschen zur Maßgabe staatlicher Kontrolle wurde. Heime, Jugendwerkhöfe, Zwangsmaßnahmen und Haft bildeten ein System, das nicht auf Unterstützung, sondern auf Disziplinierung und Ausgrenzung zielte.

Vierzehn Biografien gegen das Vergessen

Anhand von vierzehn porträtierten Frauen und Männern macht die Ausstellung die Folgen politisch motivierter Kriminalisierung nachvollziehbar. Die einzelnen Biografien verleihen einer abstrakten Gesetzesgeschichte Gesichter, Stimmen und persönliche Lebenswege. So entsteht eine eindringliche Werkbetrachtung historischer Dokumente und multimedialer Vermittlungsformen.

Zwischen 1969 und 1989 erfolgten nach Angaben des Bundesarchivs rund 146.000 Verurteilungen nach Paragraf 249, davon etwa 125.600 mit Freiheitsentzug. Andere Quellen sprechen für den Zeitraum von 1968 bis 1989 von mehr als 130.000 Verurteilungen. Die Zahlen verdeutlichen die Dimension eines Repressionsinstruments, dessen Folgen für viele Betroffene über die Haftzeit hinausreichten.

Ausstellungsatmosphäre im ehemaligen Zuchthaus

Im historischen Umfeld der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus verbindet sich die Ausstellung mit einem authentischen Erinnerungsort. Die Raumwirkung, die historische Architektur und die konzentrierte Präsentation der Biografien schaffen eine intensive Ausstellungsatmosphäre. Das Kunsterlebnis liegt hier nicht in dekorativer Ästhetik, sondern in der unmittelbaren Begegnung mit politischer Geschichte, institutioneller Gewalt und individueller Widerstandskraft.

Die Kuratierung von exhibeo e. V. ordnet die Schicksale in die Geschichte der SED-Diktatur ein und eröffnet Perspektiven für politische Bildung und kulturelle Bildung. Die Ausstellung regt zur kritischen Auseinandersetzung mit Sprache, staatlicher Macht und gesellschaftlichen Normen an.

Warum der Besuch heute wichtig bleibt

„Erziehung durch Arbeit“ zeigt, wie schnell soziale Zuschreibungen zur Grundlage staatlicher Verfolgung werden können. Die Ausstellung bewahrt die Erinnerung an Menschen, die als „asozial“ etikettiert, stigmatisiert und ihrer gesellschaftlichen Teilhabe beraubt wurden. Eine eindringliche ästhetische Erfahrung und historische Werkbetrachtung erwartet alle, die sich mit DDR-Geschichte, Menschenrechten und der Aufarbeitung politischen Unrechts beschäftigen.

Der Besuch im Menschenrechtszentrum Cottbus bietet die Möglichkeit, verdrängte Biografien sichtbar zu machen und die Mechanismen von Ausgrenzung besser zu verstehen. Dieses wichtige Ausstellungsprojekt verdient Aufmerksamkeit – als Ort des Erinnerns, der Bildung und der demokratischen Verantwortung.

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Quellen:

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