Erziehung durch Arbeit im Menschenrechtszentrum Cottbus: DDR-Unrecht verstehen

Event: Wanderausstellung Erziehung durch Arbeit. Asoziale als Staatsfeinde in der DDR in Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. – Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus on 18. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

18. Oktober 2026 10:00 Uhr

Veranstaltungsort

Cottbus
03 Cottbus, Deutschland

Tickets

8,00 €
Tickets buchen

Über diese Veranstaltung

Ausstellungen & Museen

Stimmung

Sonstige

Veranstaltungsorttyp

Drinnen

Erziehung durch Arbeit: Ein verdrängtes Kapitel der DDR-Geschichte wird sichtbar

Die Wanderausstellung Erziehung durch Arbeit. Asoziale als Staatsfeinde in der DDR beleuchtet im Menschenrechtszentrum Cottbus ein lange marginalisiertes Kapitel deutscher Zeitgeschichte. Im historischen Umfeld der ehemaligen Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus begegnen Besucherinnen und Besucher den Mechanismen staatlicher Ausgrenzung, Disziplinierung und Kriminalisierung.

Vierzehn Lebenswege zwischen Stigmatisierung und Haft

Im Zentrum stehen vierzehn Frauen und Männer, die nach Paragraf 249 des DDR-Strafgesetzbuches als sogenannte Asoziale verfolgt werden konnten. Die dokumentierten Lebenswege reichen von Punks und Prostituierten bis zu Ausreiseantragstellern, Oppositionellen und Menschen, denen vermeintliche Arbeitsscheu vorgeworfen wurde. Die Ausstellung macht sichtbar, wie ein staatliches Etikett ganze Biografien prägen und zerstören konnte.

Der sogenannte Asozialenparagraf

Die Präsentation ordnet die politisch und ideologisch motivierte Kriminalisierung historisch ein. Der Paragraf 249 diente der DDR-Justiz als Instrument gegen Menschen, die nicht dem Idealbild des sozialistischen Menschen entsprachen. Zwischen 1969 und 1989 erfolgten laut Bundesarchiv rund 146.000 Verurteilungen nach diesem Paragrafen, davon 125.600 mit Freiheitsentzug.

Historische Dokumente und individuelle Perspektiven

Dokumente, biografische Fallbeispiele und multimediale Elemente verbinden politische Geschichte mit persönlicher Erfahrung. Die Ausstellung lenkt den Blick auf die Folgen staatlicher Zuschreibungen: den Verlust von Freiheit, gesellschaftliche Stigmatisierung, Zwangserziehung und die nachhaltige Belastung der Betroffenen. Die Ausstellungsatmosphäre des Menschenrechtszentrums verstärkt die Werkbetrachtung und macht Erinnerung als unmittelbare ästhetische und historische Erfahrung zugänglich.

Kulturelle Bildung und demokratische Verantwortung

Als außerschulischer Lernort eröffnet das Menschenrechtszentrum Cottbus Raum für politische Bildung, historische Reflexion und die Auseinandersetzung mit Menschenrechten. Die Ausstellung fragt nach den Grenzen staatlicher Kontrolle, nach gesellschaftlichen Normen und nach dem Umgang mit Menschen, die als abweichend markiert werden. Damit besitzt sie Bedeutung für die DDR-Forschung ebenso wie für die heutige Erinnerungskultur.

Fazit: DDR-Unrecht an einem authentischen Erinnerungsort erleben

Die Ausstellung verbindet dokumentarische Präzision mit menschlicher Nähe und macht vergessene Lebensgeschichten sichtbar. Kunsthistorische Kategorien stehen hier nicht im Vordergrund; die eindringliche Präsentation arbeitet mit Formen der visuellen Dokumentation, Raumwirkung und historischer Zeugenschaft. Wer sich für DDR-Geschichte, politische Repression, Menschenrechte und kulturelle Bildung interessiert, erlebt in Cottbus eine aufrüttelnde Ausstellung, die zur kritischen Werkbetrachtung und zur Auseinandersetzung mit demokratischer Verantwortung einlädt.

Offizielle Kanäle von Menschenrechtszentrum Cottbus e. V.:

Quellen:

Loading map...

Häufig gestellte Fragen