Ungebremste Selbstbewegungen im Dieselkraftwerk Cottbus: DDR-Fotografie als Freiheitsraum

Event: Ungebremste Selbstbewegungen. Kunst mit Fotografie in der DDR in Brandenburgisches Landesmuseum für Moderne Kunst - Dieselkraftwerk Cottbus, Am Amtsteich 15, 03046 Cottbus on 17. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

17. Oktober 2026 11:00 Uhr

Veranstaltungsort

Cottbus
03 Cottbus, Deutschland

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Fotografie als Freiheitsraum: Die DDR neu sehen

Die Ausstellung Ungebremste Selbstbewegungen. Kunst mit Fotografie in der DDR im Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst – Dieselkraftwerk Cottbus widmet sich experimentellen Bildpraktiken der 1980er Jahre. Im Zentrum steht eine Kunst, die Fotografie nicht als neutrale Dokumentation, sondern als Material für Selbstbehauptung, Selbst-Erweiterung und künstlerische Grenzüberschreitung versteht.

Eine andere Fotografie der DDR

In der eng reglementierten Gesellschaft der DDR entwickelten Künstlerinnen und Künstler verschiedener Disziplinen eigenwillige Formen einer anderen Fotografie und einer Fotografie von unten. Privat produzierte Fotomappen und halblegale Zeitschriften wurden zu wichtigen Räumen für Veröffentlichung, Austausch und ästhetische Selbstbestimmung.

Die Ausstellung zeigt fotografische Positionen, die sich vom journalistisch-dokumentarischen Bildverständnis lösen. Verfremdung, Montage, serielle Ordnungen und bewusst anti-ästhetische Impulse machen Fotografie zum offenen Denkraum. Das Bild verweist nicht nur auf eine äußere Wirklichkeit, sondern reflektiert seine eigenen Bedingungen, seine Entstehung und seine Wirkung.

Zwischen Performance, Installation und Bildidee

Die gezeigten Arbeiten verbinden Fotografie mit Aktion, Performance, Intervention, Körperkunst und Installation. Künstlerische Handlungen werden sichtbar, Bildfolgen entwickeln eigene Rhythmen und fotografische Materialien treten in einen spannungsvollen Dialog mit Körper, Raum und Erinnerung.

Mit Werken unter anderem von Claus Bach, Tina Bara, Micha Brendel, Kurt Buchwald, Klaus Elle, Thomas Florschuetz, Else Gabriel, Wolf Kahlen, Matthias Leupold, Cornelia Schleime, Erasmus Schröter und Gabriele Stötzer entfaltet sich ein vielstimmiges Panorama der experimentellen Kunst in der späten DDR. Die Positionen zeigen, wie Fotografie zum Instrument der Selbstbehauptung und zum Medium für neue Bildwirklichkeiten wurde.

Kuratierung und kunsthistorische Einordnung

Das Ausstellungskonzept wurde von Christoph Tannert als externem Kurator erarbeitet. Die Schau macht ein kunsthistorisch relevantes Kapitel der ostdeutschen Moderne sichtbar: eine nicht-staatstragende Kunst, die sich etablierten Kategorien entzog und den fotografischen Bildraum als performativen Handlungsraum verstand.

Die fotografische Sammlung des BLMK gilt als die einzige in der DDR begründete Museumskollektion für Fotografie. Neben der sogenannten Autorenfotografie bewahrt sie in bedeutendem Umfang experimentelle fotografische Arbeiten. Die Ausstellung verbindet diese Sammlungsbestände mit Leihgaben und eröffnet dadurch einen präzisen Zugang zu einer bislang weniger bekannten Bildkultur.

Das Dieselkraftwerk als Resonanzraum

Die industrielle Architektur des Dieselkraftwerks verstärkt die Wirkung der Präsentation. Sichtbare Materialien, klare Raumachsen und konzentriertes Museumslicht schaffen eine dichte Ausstellungsatmosphäre. In der Werkbetrachtung begegnen sich fotografische Bildflächen, serielle Strukturen und medienübergreifende Arbeiten auf eindringliche Weise.

So entsteht ein Kunsterlebnis zwischen Geschichte und Gegenwart. Die ästhetische Erfahrung macht nicht nur die politische Enge der DDR erfahrbar, sondern auch den Wunsch nach Freiheit, Körperlichkeit und künstlerischer Autonomie. Fragen nach Kontrolle, Öffentlichkeit und medialer Wahrheit reichen dabei bis in die Gegenwart.

Fazit: Fotografie als künstlerische Selbstbestimmung

Besucherinnen und Besucher erwartet eine konzentrierte, bildstarke Ausstellung über experimentelle Fotografie, subkulturelle Energie und die Kraft künstlerischer Grenzüberschreitung. Wer DDR-Kunst, Performance, Installation und Fotografie als offenes Ausdrucksmittel entdecken möchte, erlebt im Dieselkraftwerk Cottbus eine fachlich fundierte und sinnlich intensive Werkbetrachtung. Diese Ausstellung verdient den Besuch vor Ort, weil sie Fotografie als Erinnerung, Widerstand und lebendige ästhetische Erfahrung neu erfahrbar macht.

Offizielle Kanäle von Brandenburgisches Landesmuseum für Moderne Kunst:

Quellen:

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