Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung macht NS-Geschichte sichtbar

Event: Sonderausstellung „Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung. Deportationen und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ in Menschenrechtszentrum Cottbus e. V. – Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus on 13. Oktober 2026

Datum und Uhrzeit

13. Oktober 2026

Veranstaltungsort

Cottbus
03 Cottbus, Deutschland

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Ein Bahnhof wird zum Ort der Erinnerung

Die Sonderausstellung „Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung. Deportationen und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ richtet den Blick auf einen historischen Verkehrsknoten, an dem sich Ausgrenzung, Deportation, politische Haft und Zwangsarbeit während der NS-Zeit verdichteten. Im Menschenrechtszentrum Cottbus verbindet sich lokale Stadtgeschichte mit europäischer Verfolgungsgeschichte, historischer Forschung und kultureller Bildung.

Historische Spuren zwischen Gleisen und Gedenkort

Der Bahnhof Cottbus war während des Nationalsozialismus weit mehr als ein gewöhnlicher Verkehrsort. 1938 wurden jüdische Menschen mit polnischer Staatsbürgerschaft aus Cottbus und der Region nach Polen ausgewiesen. Während des Zweiten Weltkriegs führten Deportationszüge über Cottbus in Ghettos im besetzten Polen und nach Theresienstadt. Auch Transporte aus west- und süddeutschen Städten sowie aus besetzten Ländern Westeuropas passierten die Cottbuser Gleise.

Die Ausstellung erweitert diesen Blick um die Gefangenentransporte zum und vom Frauenzuchthaus Cottbus. Zugleich dokumentiert sie, wie Tausende Menschen in Industriebetrieben, bei der Reichsbahn, in kommunalen Einrichtungen und auf Bauernhöfen Zwangsarbeit leisten mussten. Die Kuratierung verknüpft damit Verkehrsgeschichte, Verfolgungsgeschichte und die Geschichte wirtschaftlicher Ausbeutung.

Vier Themenfelder der Ausstellung

Die Präsentation folgt vier miteinander verbundenen Erzählsträngen: der Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung, den Deportationszügen über Cottbus, dem Frauenzuchthaus als Ort politischer Haft sowie dem Alltag der Zwangsarbeit in Betrieben und Institutionen der Stadt. Diese Struktur führt von historischen Zusammenhängen zu individuellen Lebensgeschichten und macht die Verantwortung von Institutionen und Gesellschaft sichtbar.

Namen, Routen und individuelle Schicksale

Historische Dokumente, Fotografien, Karten und biografische Informationen geben den Betroffenen Namen, Herkunft und Lebenswege zurück. Eine Medieninstallation in Anlehnung an historische Abfahrtstafeln nennt Deportationsorte und erinnert an konkrete Schicksale. Schrift, Licht, Bewegung und die Nähe zur Gedenkstätte schaffen eine konzentrierte Ausstellungsatmosphäre.

Im Mittelpunkt steht keine dekorative Malerei oder klassische Skulptur, sondern die Installation als Träger historischer Zeugenschaft. Die ästhetische Erfahrung entsteht durch die Verbindung von dokumentarischer Klarheit, Raumwirkung und stiller Reflexion. Der historische Ort selbst wird zur lesbaren Spur einer Epoche, in der technische Infrastruktur, bürokratische Abläufe und staatliche Gewalt ineinandergreifen.

Erinnerungskultur und politische Bildung

Das Projekt entstand im Rahmen von „MemoRails – Halt! Hier wird an NS-Geschichte erinnert“ der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft und wird durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Beteiligt sind das Menschenrechtszentrum Cottbus e. V., exhibeo e. V., die AG Stolpersteine Cottbus und die Städtischen Sammlungen Cottbus.

Die Ausstellung versteht Erinnerung nicht als abgeschlossene Rückschau. Sie fragt nach der Bedeutung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten in der Gegenwart und verbindet Museumspädagogik mit historisch-politischer Bildung.

Fazit: Ein eindringliches Kunsterlebnis am historischen Ort

Besucherinnen und Besucher erwartet eine sachlich präzise und emotional konzentrierte Ausstellung über Deportationen, Gefangenentransporte und Zwangsarbeit in Cottbus. Wer Stadtgeschichte, Erinnerungskultur und politische Bildung miteinander verbinden möchte, erlebt hier ein nachhaltiges Kunsterlebnis. Die Ausstellung lädt zur bewussten Werkbetrachtung, zur ästhetischen Erfahrung und zur Auseinandersetzung mit historischer Verantwortung ein. Ein Besuch im Menschenrechtszentrum Cottbus bereichert den Blick auf die Stadt und macht Erinnerung unmittelbar erfahrbar.

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Quellen:

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