Die Zeitmaschine im Großen Haus: Helgard Haug öffnet Cottbus für die Zukunft


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Eine Zeitreise auf der großen Bühne: Die Zeitmaschine in Cottbus
Mit Die Zeitmaschine bringt das Staatstheater Cottbus einen der folgenreichsten Stoffe der literarischen Moderne auf die Bühne: H.G. Wells’ Zukunftsvision trifft auf die präzise Regiehandschrift von Helgard Haug, ergänzt durch die Musik von Barbara Morgenstern. Der Abend verspricht kein nostalgisches Dekor, sondern ein kluges, gegenwärtiges Bühnenerlebnis, das das Publikum mitten hineinzieht in die Frage, wie wir Zukunft denken, erzählen und verlieren.
Ein Klassiker der Science-Fiction als lebendige Gegenwartsfrage
Wells’ Roman gehört zu den Gründungstexten des Zukunftsdenkens in der Literatur. Die Erzählung vom Wissenschaftler, der eine Zeitmaschine baut und in eine scheinbar paradiesische Ferne reist, entfaltet auf der Bühne ihre ganze Ambivalenz: Fortschritt als Verheißung, Utopie als Trugbild, Zivilisation als fragile Ordnung. Helgard Haug, bekannt für ihre dokumentarisch geerdete Theaterpraxis, setzt genau dort an, wo das Stück nicht bloß erzählt, sondern befragt. Das macht den Abend für Theaterfreunde ebenso reizvoll wie für ein Publikum, das in der Inszenierung mehr sucht als bloße Illustration.
Regie, Musik und Theateratmosphäre
Die Verbindung von Schauspiel, Klang und gedanklicher Schärfe prägt die besondere Theateratmosphäre dieser Produktion. Die Musik von Barbara Morgenstern öffnet den Raum für Spannung, Schweben und Irritation; sie gibt der Zeitreise keinen musealen Ton, sondern ein vibrierendes, fast körperliches Pulsieren. Das Publikum darf auf ein Zusammenspiel von Sprache, Bild und Ton hoffen, das weniger auf Effekt als auf Erkenntnis zielt. Gerade darin liegt die Stärke dieser Inszenierung: Sie denkt die Bühne als Denkraum und das Bühnenerlebnis als Einladung, bekannte Gewissheiten neu zu vermessen.
Das Große Haus als passender Resonanzraum
Das Große Haus des Staatstheaters Cottbus bietet für diesen Stoff die richtige Größe und Konzentration. Mit seiner historischen Aura und dem klaren Saalraum entsteht ein Rahmen, in dem sich die Spannungen zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen Licht und Dunkel, zwischen Vision und Abgrund besonders eindringlich entfalten können. Für Besucherinnen und Besucher ist auch der praktische Rahmen attraktiv: Der Spielort ist barrierefrei, das Haus verfügt über eine Hörschleife, und für die Anreise steht ein zentraler Theaterstandort mit guter Erreichbarkeit zur Verfügung.
Dramaturgie zwischen Zukunftsbild und Zweifel
Die Inszenierung folgt nicht bloß dem Plot eines Abenteuerromans. Sie legt die dramaturgischen Schichten frei, die in Wells’ Vorlage bereits angelegt sind: den Schrecken hinter dem Utopiebild, die soziale Spaltung unter der Oberfläche, die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft. Damit rückt Die Zeitmaschine in die Nähe der großen Gegenwartsthemen - technischer Fortschritt, gesellschaftliche Ungleichheit und die Sehnsucht nach einer besseren Welt. Genau diese Reibung macht das Stück für ein kulturinteressiertes Publikum so spannend.
Fazit: Ein Theaterabend für Kopf, Herz und Vorstellungskraft
Die Zeitmaschine verspricht einen Abend, der nicht nur erzählt, sondern gedanklich aufbricht. Wer sich für literarische Klassiker, starke Regie und klanglich verdichtetes Schauspiel interessiert, erlebt im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus eine Produktion mit Nachhall. Dieser Termin ist eine Einladung, Theater als Zeitmaschine zu erleben - live, unmittelbar und mit offenem Ausgang.
Offizielle Kanäle von Staatstheater Cottbus:
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