Jedermann im Hof der Alvensleben-Kaserne: Starkes Musiktheater in Cottbus


Datum und Uhrzeit
Künstler
Veranstaltungsort
Über diese Veranstaltung
Stimmung
Veranstaltungsorttyp
Ein Open-Air-Abend über Glanz, Vergänglichkeit und die große Frage nach dem Wesentlichen
Mit Jedermann – Ein Musical vom Sterbenlernen bringt das Staatstheater Cottbus einen Klassiker der Theatergeschichte als zeitgenössisches Musiktheater in den Hof der Alvensleben-Kaserne. Die Inszenierung von Tomo Sugao verbindet Hofmannsthals Stoff mit der musikalischen Handschrift von Wolfgang Böhmer und dem Libretto von Peter Lund zu einem intensiven Bühnenerlebnis zwischen Fest, Fall und Erkenntnis.
Ein Stoff, der seit mehr als einem Jahrhundert nachhallt
Hugo von Hofmannsthals Jedermann gilt als einer der wirkungsmächtigsten Theaterstoffe des deutschsprachigen Repertoires. In Cottbus wird daraus kein museales Erinnerungsbild, sondern ein gegenwärtiges Spiel um Besitz, Schuld, Liebe und Endlichkeit. Die Gegenwart des Textes liegt in der Zuspitzung: Wenn der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen ist, verlieren Geld, Macht und gesellschaftlicher Glanz ihre tröstende Oberfläche.
Musikalische Wucht trifft auf präzise Dramaturgie
Wolfgang Böhmer und Peter Lund verdichten den historischen Stoff zu einem Musical, das nicht gefällig um seine Themen kreist, sondern sie mit theatralischer Klarheit freilegt. Die Dramaturgie führt vom rauschenden Leben in die stille Konfrontation mit dem Tod. Figuren wie Gott, Teufel, Mammon und die Guten Werke erscheinen als Allegorien, doch sie wirken nicht abstrakt, sondern wie Spiegel einer Seele im Ausnahmezustand. Genau darin liegt die Stärke dieser Inszenierung: Sie denkt den alten Stoff nicht kleiner, sondern näher.
Der Hof der Alvensleben-Kaserne als Spielort mit Atmosphäre
Der Hof der Alvensleben-Kaserne bietet für dieses Sommertheater eine besondere Theateratmosphäre. Open Air, unter freiem Himmel, gewinnt das Geschehen eine zusätzliche Spannung: Licht, Abendluft und die offene Architektur rahmen die Szenen wie ein lebendiges Proszenium. Das Publikum erlebt das Drama nicht nur als Zuschauerraum, sondern beinahe als Mitwisser im gleichen Raum. Die Aufführung dauert rund 2 Stunden und 10 Minuten inklusive einer Pause.
Regie, Ensemble und die Kunst des großen Bildes
Hausregisseur Tomo Sugao setzt auf eine Lesart, die das Stück als Schlusspunkt einer Theatersaison mit Nachdruck auflädt. Die Bühne von Paul Zoller, die Kostüme von Carola Volles und die musikalische Leitung von Johannes Zurl schaffen einen Rahmen, in dem Schauspielkunst, Chorklang und musikalische Zuspitzung ineinandergreifen. Das Ergebnis verspricht keine distanzierte Klassikerpflege, sondern ein unmittelbares Musiktheater mit emotionaler Präsenz.
Für wen sich dieser Theaterabend besonders lohnt
Wer Bühnenkunst mit existenzieller Tiefe schätzt, findet hier einen Abend, der weit über den bekannten Stoff hinausreicht. Das Zusammenspiel aus Open-Air-Spielstätte, musikalischer Dynamik und literarischer Vorlage macht die Aufführung zu einem Ereignis für Kulturinteressierte, die im Theater nicht nur Unterhaltung, sondern gedankliche und sinnliche Verdichtung suchen.
Fazit: Jedermann – Ein Musical vom Sterbenlernen verspricht einen eindringlichen Abend zwischen Festlichkeit und Abgrund, zwischen poetischer Tradition und Gegenwartston. Wer das Musiktheater im Sommer in besonderer Atmosphäre erleben will, sollte diese Cottbuser Aufführung live sehen.
Offizielle Kanäle von Staatstheater Cottbus:
- Instagram: https://www.instagram.com/staatstheatercottbus
- Facebook: https://www.facebook.com/StaatstheaterCottbus
- YouTube: https://www.youtube.com/@StaatstheaterCottbus
- Website: https://www.staatstheater-cottbus.de/
Quellen:
- Staatstheater Cottbus - Jedermann – Ein Musical vom Sterbenlernen
- Staatstheater Cottbus - Sommertheater im Kasernenhof
- Staatstheater Cottbus - Tickets und Abos
- Staatstheater Cottbus - Tomo Sugao
- Theaterkompass - Staatstheater Cottbus Social Media
- miz - Staatstheater Cottbus
- Die Deutsche Bühne - Kritik zu Jedermann







