IHK-Konjunktur zeigt breite Eintrübung
Südbrandenburgs Wirtschaft unter Druck: Unternehmen erwarten die nächste Verschlechterung
Die Stimmung in Südbrandenburgs Wirtschaft hat sich spürbar getrübt. In der aktuellen Konjunkturanalyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus fallen mehrere zentrale Indikatoren gleichzeitig schwächer aus: Geschäftslage, Erwartungen, Investitionsneigung und Finanzlage. Für viele Betriebe ergibt sich daraus kein einzelnes Krisensignal, sondern ein Bündel an Risiken, das Entscheidungen zunehmend ausbremst.
Geschäftslage kippt – Erwartungen rutschen auf Krisenniveau
Nach Angaben der IHK ist der Geschäftslage-Saldo im Vergleich zum Frühsommer 2025 von 23 auf 4 Prozentpunkte gefallen. Noch deutlicher ist der Blick nach vorn: Der Erwartungssaldo sank von minus 24 auf minus 30 Prozentpunkte. Die Kammer ordnet dieses Niveau als vergleichbar mit der Phase zu Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 ein.
In den Antworten der Unternehmen zeigt sich die Skepsis klar: 40 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Nur 10 Prozent erwarten eine Verbesserung, die Hälfte geht von einer unveränderten Entwicklung aus. IHK-Hauptgeschäftsführer André Fritsche fasst die Lage so zusammen: „Branchenübergreifend ist die Stimmung schlecht“.
Mehrere Belastungen gleichzeitig: Kosten, Nachfrage, Unsicherheit
Als wichtigste Bremsfaktoren nennt die IHK hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Arbeitskosten, schwache Nachfrage und Kaufzurückhaltung. Hinzu kommen innen- und außenpolitische Unsicherheiten, die Planungen zusätzlich erschweren – gerade bei Investitionen und Personal.
- Energie- und Rohstoffpreise: 74 Prozent
- Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen: 64 Prozent
- Arbeitskosten: 60 Prozent
- Inlandsabsatz: 49 Prozent
- Fachkräftemangel: 42 Prozent
- Finanzierung: 17 Prozent
- Auslandsabsatz: 10 Prozent
- Auswirkungen des Klimawandels: 5 Prozent
Das Muster dahinter ist für die Region entscheidend: Wenn Kosten hoch bleiben, Nachfrage schwankt und politische Rahmenbedingungen als unsicher gelten, wird aus vorsichtiger Planung schnell ein Abwarten – selbst dann, wenn Aufträge nicht vollständig wegbrechen.
Investitionen werden verschoben – mit Folgen für Modernisierung und Wachstum
Die schwächere Stimmung schlägt laut IHK inzwischen sichtbar auf die Investitionspläne durch: Mehr als die Hälfte der Unternehmen will Investitionen zurückstellen oder ganz aussetzen. Für Südbrandenburg ist das besonders heikel, weil damit nicht nur kurzfristig Aufträge ausbleiben. Wer Modernisierung, Digitalisierung oder Kapazitätsaufbau verschiebt, verliert Zeit – und im Wettbewerb häufig auch Produktivitätsspielräume.
Gleichzeitig ist das Bild je nach Branche unterschiedlich. In der Industrie planen 65 Prozent der Betriebe gleichbleibende oder steigende Investitionen; rund jedes zweite Industrieunternehmen investiert in den Ausbau von Kapazitäten. Im Handel dagegen wollen 69 Prozent der Unternehmen gar nicht investieren. Die Zahlen markieren eine wachsende Spreizung: Während Teile der Industrie noch Handlungsspielräume haben, geraten besonders konsumnahe Bereiche schneller in eine defensive Haltung.
Finanzlage angespannt: Eigenkapital sinkt, Liquidität wird knapper
Parallel verschlechtert sich nach Angaben der IHK die Finanzlage vieler Betriebe. 57 Prozent bewerten sie als problematisch. Rund ein Drittel meldet sinkendes Eigenkapital, knapp ein Viertel berichtet von wachsenden Liquiditätsengpässen. Wenn Eigenkapitalquoten nachgeben und die Liquidität enger wird, werden Kredite teurer oder schwerer zugänglich – und Investitionsentscheidungen werden zusätzlich gebremst.
Strukturwandel als Hoffnung – aber viele Betriebe kämpfen mit der Gegenwart
Die IHK verweist zugleich auf einen Widerspruch, der die Region seit Längerem prägt: Einerseits gibt es Aufbruchssignale durch den Strukturwandel, andererseits stehen viele Unternehmen weiterhin unter erheblichem Druck. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind nach Einschätzung der Kammer von schwierigen Rahmenbedingungen betroffen. Für sie bedeutet jeder zusätzliche Kostenschub – ob bei Energie, Material oder Personal – oft sofortige Einschränkungen bei Investitionen, Lagerhaltung oder Neueinstellungen.
André Fritsche verbindet die Lageanalyse mit einem klaren politischen Appell: „Mutige Reformen, die schnell spürbare Entlastungen bringen, sind seit Monaten das Gebot der Stunde – lassen aber viel zu lange auf sich warten. Das Wichtigste für alle Unternehmen sind Verlässlichkeit und Planbarkeit. Es geht um Arbeitsplätze, Investitionen und die wirtschaftliche Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland“.
Arbeitsmarkt hält noch – doch die Einstellungsbereitschaft sinkt
Am Arbeitsmarkt wirkt die Lage bislang robuster als bei Erwartungen und Investitionen. Die Beschäftigung ist laut IHK noch stabil, gleichzeitig nimmt die Einstellungsbereitschaft branchenübergreifend ab. 24 Prozent der Unternehmen planen, Stellen abzubauen. Nur 13 Prozent wollen neue Stellen schaffen.
Dass 42 Prozent der Betriebe den Fachkräftemangel weiterhin als Risiko nennen, zeigt zudem: Selbst in einer schwächeren Konjunktur bleibt der Arbeitsmarkt für viele Unternehmen ein strukturelles Thema. Wer heute weniger einstellt, tut das häufig nicht aus Entspannung, sondern weil Unsicherheit und Kostendruck die Spielräume reduzieren.
In Summe zeichnen die IHK-Daten für Südbrandenburg kein Bild eines plötzlichen Einbruchs, wohl aber eines breiten Stillstands. Besonders kritisch ist, dass sich pessimistische Erwartungen, zurückgestellte Investitionen und eine angespannte Finanzlage gleichzeitig zeigen – und damit genau jene Faktoren schwächen, die für eine regionale Erholung und den Strukturwandel entscheidend wären.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.niederlausitz-aktuell.de/niederlausitz-aktuell/orte/cottbus/314909/bericht-ihk-cottbus-warnt-vor-stillstand-in-suedbrandenburgs-wirtschaft.html, 28.05.262026
- https://www.ihk.de/cottbus/wirtschaftsregion/zahlen-fakten-konjunktur/konjunktur
- https://www.ihk.de/blueprint/servlet/resource/blob/6459488/7be0ee11a18d50207506ad1264220cb8/konjunkturumfrage-suedbrandenburg-data.pdf, 01.05.2025
- https://www.ihk.de/cottbus/wirtschaftsregion/zahlen-fakten-konjunktur/konjunktur/ihk-konjunkturumfrage-suedbrandenburg-6179534, 27.05.2026

