IW-Studie sieht Cottbus im Aufwind
Cottbus führt im Dynamikranking von IW Consult
Der Spitzenplatz steht dabei nicht für die höchste Wirtschaftskraft, sondern für das stärkste Verbesserungstempo innerhalb eines begrenzten Zeitraums – und wird von Stadt und Studienautoren in den Kontext des laufenden Strukturwandels in der Lausitz gestellt.
Cottbus hat im Dynamikranking von IW Consult Platz 1 erreicht. Bewertet wird dabei, welche Regionen sich in den vergangenen zwei Jahren am deutlichsten verbessert haben – nicht, wo das wirtschaftliche Niveau bereits am höchsten ist. Genau diese Unterscheidung ist zentral, um das Ergebnis einzuordnen: Ein Dynamiksieger kann ein Aufsteiger sein, ohne schon zur Spitzengruppe beim Status quo zu gehören.
Was Platz 1 im Dynamikranking aussagt
Die Studie von IW Consult (einer Tochter des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft) bescheinigt Cottbus die größten wirtschaftlichen Fortschritte im Vergleich der untersuchten Regionen. Das Dynamikranking bildet Veränderungen ab – also die Richtung und Geschwindigkeit einer Entwicklung. In der Logik des IW-Regionalrankings wird diese Dynamik dem „Niveau“ gegenübergestellt, das den aktuellen Stand beschreibt. Damit lässt sich eine Region als besonders beweglich und reformwirksam abbilden, ohne dass damit automatisch gesagt ist, dass strukturelle Probleme bereits gelöst wären.
Der erste Platz ist deshalb vor allem als Signal für Entwicklungstempo zu lesen. Solche Rankings sind zudem naturgemäß sensibel für „Basiseffekte“: Wo ein Ausgangsniveau niedriger ist oder ein Strukturbruch besonders stark war, können einzelne Investitions- oder Ansiedlungsimpulse die Veränderungswerte schneller sichtbar machen als in bereits sehr stabilen, hoch entwickelten Regionen. Umgekehrt sagt ein Dynamikwert wenig darüber aus, ob die erreichten Fortschritte dauerhaft tragen – das zeigt sich erst über mehrere Jahre.
Oberbürgermeister Tobias Schick wertete das Ergebnis als Bestätigung des eingeschlagenen Kurses. Er sagte: „Platz 1 im Dynamikranking, das ist eine Hausnummer.“
Warum der Strukturwandel in Cottbus als Treiber gilt
Schick verknüpft den Spitzenplatz ausdrücklich mit dem Strukturwandel in der Stadt. Als Beispiele nannte er das Bahnwerk sowie die Medizinische Universität Lausitz Carl Thiem. Damit beschreibt die Stadtspitze den Befund nicht als statistischen Zufall, sondern als Ergebnis von Weichenstellungen, die Arbeitsplätze, Qualifizierung und neue Wertschöpfung in die Region ziehen sollen.
Auch IW Consult ordnet Cottbus in diesem Sinne ein. Geschäftsführer Hanno Kempermann bezeichnete die Stadt als urbanen Wissens- und Innovationsstandort mit zentraler Ankerfunktion in der Lausitz – verbunden mit der einzigen technischen Universität Brandenburgs. In der Praxis ist mit dieser Einordnung mehr gemeint als das Vorhandensein von Wissenschaftseinrichtungen: Entscheidend ist, ob Forschung, Transfer und Unternehmen so zusammenwirken, dass aus Know-how tatsächlich Gründungen, Ansiedlungen, Produktentwicklung und Fachkräftebindung entstehen. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob Strukturwandel messbar wird – nicht nur in Förderzusagen, sondern in Beschäftigung, Unternehmensdynamik und Investitionen.
Kempermann verwies zudem darauf, dass wirtschaftliche Aktivitäten an ökologischen Leitthemen wie Wasserstoff, Elektrifizierung und erneuerbaren Energien ausgerichtet würden. Für die Einordnung des Rankings ist das relevant, weil solche Schwerpunktsetzungen typischerweise auf neue Industrie- und Zulieferketten zielen – zugleich aber hohe Anforderungen an Infrastruktur, Flächen, Genehmigungen und Qualifizierung mit sich bringen. Der Spitzenplatz im Dynamikranking kann daher als Hinweis gelesen werden, dass sich der Umbau in Cottbus bereits in Indikatoren niederschlägt – er ersetzt jedoch nicht die Prüfung, ob die Projekte langfristig wirtschaftliche Substanz und stabile Beschäftigung bringen.
Welche Rolle Cottbus in der Lausitz einnimmt
Die Bewertung gewinnt zusätzlich Gewicht durch den regionalen Kontext: Die Lausitz ist seit Jahren vom Strukturwandel geprägt, insbesondere vor dem Hintergrund des Braunkohleausstiegs und der Aufgabe, neue wirtschaftliche Standbeine zu etablieren. In dieser Transformationslage wird Cottbus von IW Consult als zentraler urbaner Knotenpunkt beschrieben, der Funktionen bündelt, die in Flächenregionen oft schwerer zu organisieren sind:
- Ausbildung
- Forschung
- Verwaltungskapazitäten
- Unternehmensnetzwerke
- Anziehungskraft für Fachkräfte
Kempermann sagte, Regionen wie Cottbus zeigten, wie Strukturwandel gelingen könne. Der Befund ist damit als Momentaufnahme einer Entwicklung zu verstehen, die politisch und wirtschaftlich auf Verstetigung angelegt ist – deren Erfolg aber an Dauerhaftigkeit gemessen wird: ob Investitionen nachziehen, ob neue Branchen tatsächlich Wertschöpfung in der Region halten und ob der Wandel resilient genug ist, um Konjunktur- und Förderzyklen zu überstehen.
Der Spitzenplatz ist somit vor allem ein Signal für die jüngste Entwicklung, nicht für ein abgeschlossenes Zielbild.
Aus dem vorliegenden Material ergibt sich vor allem eines: In Cottbus wird der Strukturwandel in einem bundesweiten Regionalvergleich als besonders dynamische Bewegung sichtbar.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- Der Tagesspiegel, 2026-05-12 17:22
- https://www.iwconsult.de/ueber-uns
- https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2024/IW-Report_2024-IW-Regionalranking-2024.pdf
- https://www.iwconsult.de/fileadmin/user_upload/pdfs/2024/IW-Regionalranking-2024.pdf
- https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/analyse-des-historischen-strukturwandels-in-der
- https://www.diw.de/de/diw_01.c.439330.de/innovationssystem.html

